Der Blick in die Vergangenheit lehrt uns einiges über die Zukunft








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Ein entscheidender Fortschritt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert war die sogenannte „Kodak“ von George Eastmann. Den Spruch „You press the button, we do the rest“ hat jeder ambitionierte Fotograf sicher schon einmal gehört. Dahinter verbarg sich ein industrialisiertes System, das vielen Menschen Arbeit garantierte, nämlich das System Fotolabor. Der Fotolaborant war jetzt ein neuer Berufszweig. Die Kodak, eine schwarze Box mit einfachem Objektiv, Verschluß und einem Mechanismus für Filmtransport, verfügte über 100 kreisrunde Bilder auf einem Rollfilm. Kreisrund, werden Sie jetzt sagen, was ist denn das für ein Format ? Aber Bilder, die aus einer Linse, also einem Objektiv, erzeugt werden, sind immer kreisrund. Sie werden erst durch einen Formatrahmen beschnitten. Erst Oscar Barnack definierte das Formatverhältnis 3:2, das bis heute unsere Vorstellung davon prägt, wie ein Foto auszusehen hat. Die Kodak Boxkamera wurde, wenn alle 100 Bilder verschossen waren, an den Hersteller versandt, der sich um die Entwicklung des Rollfilm-Materials kümmerte, die Abzüge herstellte und die Kamera neu lud. Millionen Menschen nutzten fortan diese Technik.

So ausgerüstet stellt sich die Industrie den Berufsfotografen der Zukunft vor…oder den der Gegenwart ?
So ausgerüstet stellt sich die Industrie den Berufsfotografen der Zukunft vor…oder den der Gegenwart ?





























Die Deutschen waren den Amerikanern technologisch dicht auf den Fersen. Oskar Barnack entwickelte schließlich 1911 die Ur-Leica und leitete damit einen fundamentalen Wandel in der Fotografie ein. War der Fotograf bis dato Geschäftemacher, Abenteurer oder Portraitstudio-Besitzer, so wurde er nun zum Bildreporter. Die technischen Voraussetzungen dafür war die Erfindung leistungsfähiger elektrischer Glühbirnen die man in Vergrößerer einbauen konnte. Die Revolution bestand nun aus einem verkleinerten Negativ, hergestellt von Kodak oder der deutschen Firma Agfa, das vergrößert werden konnte. Auf einen Kleinbildfilm passten 36 Aufnahmen und die Leica war im Kontext der technischen Neuerungen der Era vor dem ersten Weltkrieg eine der maßgebenden Entwicklungen überhaupt. Jetzt war die Geschwindigkeit des Industriezeitalters das Thema, in der Kunst war der Futurismus Ausdruck eines grenzenlos optimistischen Weltbildes. Über dem Atlantik flogen die Zeppeline, unter ihm tickerten die Telegrafendrähte. Flugzeuge transportierten Passagiere, Freud erfand die Psychoanalyse. Die Malerei, die mit der Fotografie bis vor kurzem noch um Portraitaufträge konkurrierte, befreite sich von ihrer Starrheit und mündete in Kunstrichtungen wie dem Impressionismus.

Die professionelle Fotografie heute liegt womöglich in einer ähnlichen Starrheit wie die Malerei damals. Viele Berufsfotografen stehen plötzlich ohne Aufträge da, dafür ist die Nachfrage nach Fotografie in der Gesellschaft riesengroß. Die Industrie entwickelt die Produkte ständig weiter und das sehen wir auf der Fotokina. „Alle warten ganz gespannt auf die neue Canon 7D Mark II.“, erzählt mir der Lektor eines großen deutschen Verlages, für den ich grade selbst als Autor tätig bin. Ich verstehe das allerdings nicht und frage nach. „Warum die 7D ? Was hat sie, das die Vorgängermodelle nicht haben ?“
„Das ist doch ganz logisch!“ kommt es wie aus der Pistole geschossen, „Sie schafft 10 Bilder pro Sekunde und mit dem Crop-Faktor, resultierend aus dem kleineren Sensor, kommt der Fotograf mit seinem Tele recht nahe an Vögel heran!“ Eine Logik, die einen Massenmarkt hinter sich weiß, auch wenn ich sie nicht nachvollziehen kann. Aber ich als Fotograf bin da auch gar nicht angesprochen. Angesprochen werden dabei die Tausende von Hobbyfotografen, die gerne in der Natur fotografieren. Und warum sollten sie es auch nicht ? Hauptsache, sie merken irgendwann, daß sie fotografisch den nächsten Schritt machen wollen und buchen bei mir einen Workshop, dann habe ich auch noch etwas davon.

Drohnen wären immer populärer und billiger. Bald erledigen sie Fotojobs alleine
Drohnen werden immer populärer und billiger. Bald erledigen sie Fotojobs alleine




























Augenfällig ist auf der Messe die Präsenz von zwei Typen von Fotografen. Der eine Typ flaniert genüsslich an den Ständen der Firmen mit den dicken Linsen vorbei und trägt dabei locker eine teure DSLR über der Schulter. Meistens hat man den Eindruck, es handelt sich um Rentner mit einer guten Altersabsicherung, denn auch einige Stände mit Reise- oder Erotik-Workshops sind gut umlagert. Man muß nur wissen, was sich gut verkauft. Und da sind wir auch beim anderen Typus: Dem Selbstvermarkter.
Dieser Typ Fotograf fällt auf, denn er ist an vielen Ständen zu sehen. Er macht live Portraitaufnahmen von glitzernden Modellen, preist an einem Großbildschirm die Vorteile von Hautverunreinigungs-Retusche-Software an oder rezitiert aus seinem neuen Buch. Dabei spricht er in ein Mikrofon und wendet sich an ein Massepublikum. Angstfrei, furchtlos, selbstbewußt. Die bekannte Foto-Consulting-Expertin Martina Mettner würde ihn „visuell kompetent“ nennen, kommt mir in den Sinn.

Gut, und was gab es sonst noch an bemerkenswerten Neuerungen auf der Photokina ?
Alles dreht sich jetzt um Spaß und Action. Die GoPro ist nicht mehr alleine auf dem Markt, sie bekommt mächtig Konkurrenz. Allerhand Modelle buhlen um den Platz auf dem Surfbrett, dem Fahrradlenker oder dem Helm. Michael Schumacher läßt grüßen.
Auch gehen die Kameras jetzt zunehmend alleine in die Luft, in Form von Drohnen, die die Bilder jetzt selber machen. Da wird der Hobby-Fotograf dann erinnert an seine Kindheit, als er versuchte, den Segelflieger in der Luft zu halten. Ich hatte nur einen kleinen Flieger, der war rot mit grünen Flügeln und wurde von einem Gummiband in der Luft katapultiert. Wenn mich nicht alles täuscht, müßte er noch auf dem einzigen Baum auf der Waldwiese in Bamberg liegen, wenn er nicht irgendwann heruntergefallen ist.

Meine Fototasche ist schon 10 Jahre alt. Am liebsten möchte ich sie behalten, denn jetzt ist sie eingetragen...
Meine Fototasche ist schon 10 Jahre alt. Am liebsten möchte ich sie behalten, denn jetzt ist sie eingetragen...






























Außerdem ist alles jetzt ausgerichtet für das DSLR-Video-Filmen. Überall sieht man Kräne, Steadycams oder Slider. Die Welt braucht einfach noch mehr Time Laps und Hyper Laps. Vimeo und Youtube können davon gar nicht genug bekommen. Mich persönlich nervt ein wenig die Tendenz der Firmen, die bis dato Großformat-Kameras hergestellt haben, krampfhaft eine DSLR als Speichermedium zu verwenden. Was ist das denn ? Die Gegenbewegung zur iPhoneography, nur extrem langsam und schwerfällig, dafür aber mit einer etwas höheren Auflösung ? Wo ist der Kampfgeist geblieben ? Wenn Gegenbewegung, dann richtig!
Und zu guter letzt noch mein neues Lieblingsmodel von Fotorucksack, denn mein Crumpler-Fotorucksack, den ich mir vor schlappen 10 Jahren gekauft habe, fängt an, sich aufzulösen. Mit dem kann die Zukunft kommen ! Für den mache ich am besten ein Crowdfunding! Gute Idee.




Über den Autor
Björn Göttlicher ist Fotojournalist, Multimedia-Produzent und Buchautor. Gerade ist von ihm das E-Book "100 Profi Tipps Reisefotografie" erschienen, das bei iTunes erhältlich ist.







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