
03.02.2012
14.30 Uhr, Bamberg, Büro - Ich komme eben aus der Mittagspause vom Rondo. Wir standen in der Sonne bei unter Null und tranken Espresso. Jetzt muss ich mich wieder um die Steuererklärung kümmern.

14.32 Uhr, Bamberg, Büro - Eine E-Mail von Der Spiegel-Bildredakteur Matthias Krug ist gekommen mit der Frage, ob ich am Dienstag und Mittwoch nächster Woche in Spanien in einem Dorf fotografieren könnte.
14.33 Uhr, Bamberg, Büro - Ich antworte, dass ich in Bamberg bin und bekomme sofort ein schlechtes Gewissen.
14.36 Uhr, Bamberg, Büro - Ich halte mein Gewissen nicht mehr aus und rufe den Redakteur in Hamburg an, um ihm meine Zusage zu geben. Im Geiste verschiebe ich meine Steuererklärung und es macht mir nichts aus. Auch mein bester Freund Franz meint, man müsse heutzutage flexibel sein und so buche ich schnell einen Flug mit einer Billigfluglinie.
14.32 Uhr, Bamberg, Büro - Der Tagesablauf ändert sich schlagartig: anstatt Einnahmen und Ausgaben für den Monat Januar zusammenzustellen, beginne ich, die Papiere wegzuräumen und fange an zu recherchieren. Ich stelle fest, dass mein Freund Samuel für die New York Times dasselbe Thema fotografiert hat, nämlich das Dorf Sodeto in Huesca, Aragon, das als das Millionen-Dorf bekannt geworden ist, weil alle im Lotte gewonnen haben. Alle ausser einem. Der Arme…
04.02.2012
10.30 Uhr, Bamberg, Büro - Nach lustigem Abend im Cafe Müller und am Stephansberg in der Raucherbar finde ich am Samstagmorgen meinen Autoschlüssel nicht mehr. Das passiert mir in letzter Zeit ständig. Immer, wenn mich das Reisefieber überkommt, verlege ich spontan meinen Kopf. Als ich ihn endlich wieder finde, habe ich eine Odysee hinter mir durch die Orte des gestrigen Abends. Allerdings heute wesentlich nüchterner.
12.00 Uhr, Bamberg, Büro - Skype-Konferenz mit meinem Fotografenkollegen Dirk Gebhardt zum Thema App. Man muss ja auch an morgen denken !
15.00 Uhr, Treppendorf - Beim Musikversandt Thomann erstehe ich ein externes Mikrofon für die 5D Mark II und muss darauf an der Abholung sogar nicht lange warten.
19.30 Uhr, Bamberg, Elternhaus - Ich schaue mit meinen Eltern Fussball. Leider ist die Laune spontan im Keller, als Dortmund meine sueddeutsche Lieblingsmannschaft als Tabellenführer ablöst.
06.02.2012

09.30 Uhr, Bamberg, Bahnhof - Bahnfahrt Bamberg - Baden Baden. Leider hat aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse die Bahn 40 Minuten Verspätung, so dass ich den Bus zum Flughafen verpassen, was mich in letzter Instanz dazu zwingt, ein Taxi zu nehmen, um den Flieger zu erwischen.

14.45 Uhr, Baden Airport - Komme rechtzeitig. Auch bleiben mir Probleme erspart, da mein Gepäck nicht mehr wiegt als erlaubt. Blöde Billigflieger !
17.30 Uhr, Girona Aeropuerto - Ich hole einen Leihwagen ab, der mich in die Stadt bringt. Dort packe ich Koffer um und bereite alles vor für die Reportage.

07.02.2012
08.00 Uhr, Girona - Die Fahrt von Girona nach Sodeto, Huesca, zieht sich in die Länge. Spiegel-Redakteurin Nicola Adé ruft schon aufgeregt auf meinem Handy an und spornt mich zur Eile an. 2 Dosen Burn halten mich wach…

12.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Nach der Ankunft treffe ich die Redakteurin Nicola und Übersetzerin Barbara in der Dorfkneipe. Vom Stress der Anfahrt zur Ruhe im Dorf ist ein kompletter Kontrast. Hier ist ansonsten gar nichts los, abgesehen von den beiden ambulanten Juwelieren mit ihrem gepanzerten Wagen.

16.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Die beiden Damen verabschieden sich von mir und vom Millionendorf, um den Text zu schreiben und um nicht mehr den sexistischen Kommentaren der Kartenspieler in der Dorfbar ausgesetzt zu sein.
Ich versuche mein Glück damit, die Protagonisten der Geschichte ausfindig zu machen und zu fotografieren.

18.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Nach nettem Gespräch mit der Bürgermeisterin Rosa über meinen Freund Samuel, der ja schon für die NY Times dort war, knipse ich den Ort vom Hügel aus in der Dämmerung. Es weht ein eisiger Wind.
19.45 Uhr, Huesca - Einchecken im Abba-Hotel in Huesca.

08.02.2012
08.30 Uhr, Huesca, Abba Hotel - Ich freunde mich mit dem Frühstückskellner an, der mir einen extra Croissant spendiert und erzählt, dass er gestern 2 sehr nette deutsche Damen kennengelernt hat, die auch im Hotel waren. Ich denke mir, die Welt ist aber klein und erzähle ihm, dass ich die Damen auch kenne.
12.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Ich verbringe meinen Tag mit Arbeit und bin damit im Dorf der einzige. Alle anderen haben das ja auch nicht mehr nötig. Mein Hauptquartier richte ich in der Dorfbar ein, hier kann ich die Bilder auch gleich bearbeiten und versenden, was jetzt aus Hamburg von mir auch verlangt wird. Gut, dass es in Huesca Internet gibt !

17.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Matthias Krug schreibt dauernd: “Now we talk” und meint damit wohl, dass alle Spiegelredakteure grade über meine Bilder lästern.

17.30 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Matthias Krug erreicht mich am Handy und animiert mich, noch mehr zu arbeiten. Ich freue mich, ich arbeite gerne.
20.30 Uhr, Huesca, Abba Hotel - Erneutes Einchecken bei meinen Freunden im Hotel. Ich habe Glück, abends kommt Fussball im Internet und meine sueddeutsche Lieblingsmannschaft gewinnt gegen Stuttgart. Das feiere ich mit Durstlöschern aus der Minibar und einigen Sandwiches.

09.02.2012
09.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Wenig los im Dorf. Da der Lichtblick! Ich fahre mit dem Brotverkäufer mit. Er hat selbst nicht im Lotto gewonnen und muss weiter von Haus zu Haus ziehen, um Baguettes anzupreisen. Er macht das schon seit 50 Jahren, sagt er. Und er weiss genau, wer wieviel gewonnen hat…Und ich verstehe erstmalig den Sinn hinter dem Satz: Eine Sache verkauft sich wie geschnitten Brot…

12.00 Uhr, Sodeto, Das Millionen-Dorf - Anruf aus Hamburg mit der Frage, ob ich auch Video gedreht habe. Habe ich, sage ich. Also soll ich so schnell wie möglich heimfahren und die Videodaten verschicken, damit die ipad-Version von Spiegel multimdial werden kann. Ich füge mich und kaufe mir Burn, denn die Rückfahrt wird lang.

19.30 Uhr, Girona - Mein technischer Assistent versendet die Video-Dateien komprimiert, während ich den Leihwagen zurückbringe, kaum dass ich wieder in Girona angekommen bin. Die Fahrt war lang.
Am Folgetag bekomme ich von der Spiegel-ipad-Redaktion den link zum Video. Die Geschichte wird Montag am Kiosk erscheinen.
